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In schwierigen Zeiten machen Wolfgang Bittners Gedichte Mut zum Widerspruch gegen die Zumutungen des sogenannten Mainstreams, der keinen Zweifel und keinen Rückzug mehr erlaubt. Im Wissen um Vergänglichkeit und Neubeginn wirbt diese Lyrik zugleich für ein humanes Miteinander in einer zerrütteten, desorientierten Gesellschaft. Es sind starke poetische Bilder, mit denen Wolfgang Bittner das Versprechen einlöst, ›unter der Asche die Glut‹ zu entdecken, die es zu entfachen gilt.

Medienresonanz

„Nicht jeder mag vielleicht Gedichte, aber die von Wolfgang Bittner mögen jeden mit Nachdenklichkeit behafteten Leser aufmuntern und ein wenig Mut machen… Gleichzeitig spürt man in seinen Texten eine sehr sachliche und liebevolle Hinwendung zu den Menschen, stets auch Zuversicht ausstrahlend… packt einen am Herzen und fließt ungebremst ins Hirn.“ (Schreiber-Blog)

„Es gibt viele Momente in Bittners Sprachbildern, die eine gespaltene Gesellschaft zeigen, in der Andersdenkende diskriminiert werden… Der Poet als denkender Realist, der erinnert und mahnt, doch auch hofft… Wir lesen Bittners Poesiebuch von der „Glut unter der Asche“ mit Bewunderung. Ja, Gedichte können Mutmacher in schweren Zeiten sein!“ (peterhain.info)

Leseproben

Kompromiss


Es ist, als habe die Welt
ihren Charme verloren,
ihr Gesicht und ihre Gestalt.
Noch immer Sonne und Mond
auf den Wegen,
aber kein freundlicher Gruß,
kein Umarmen.
Die Leitungen surren,
Weihnachten und Ostern
sind ausgesetzt,
die Harmonie ist gecancelt,
der Frühling hinfällig.
So leben wir
in der Gewissheit
unserer Vergänglichkeit.


Die Frage


Reihen sich die Tage
aneinander, fragen wir uns,
du und ich,
wo alles dies stattfindet,
was uns bestimmt,
wohin es führt
und warum gerade jetzt.
In dieser beängstigenden
Unendlichkeit.


Türen und Fenster stehen offen,
von Tag zu Tag wird es wieder heller,
wir beginnen uns zu erinnern.
Morgens hat uns Gesang geweckt,
und ein gewaltiges irdisches Grün,
das uns bekannt ist
aus allen vergangenen Jahren,
dringt herein
bis in die letzten Winkel.



Können-wollen-dürfen


Verstehen wollen, das Warum,
erkennen können, das Woher
all dieses Schreckens.


Die Städte brennen,
Flüchtende, Getriebene
suchen Heimat. Die
Hoffnungen zerbombt,
die Träume zerfleddert,
zerstörte Länder und Seelen.


Drahtzieher herrschen,
Marionetten haben Konjunktur,
Edelfedern und Spiegelfechter.
Sie sagen, was wir dürfen,
und meinen, was viele
längst ahnen: Ich Ich Ich.



Gedenken


Wenn die Toten zu uns kommen,
als träumten wir.
Aber sie begleiten uns,
unaufdringlich-wirklich,
sprechen zu denen,
die sie verstehen.


Sie sind uns gewogen,
unsere Toten.
Wenn wir wollen, hören wir sie,
Sie sind uns nah, viele.
Uns Lebenden
gilt ihr Beileid.


Kann mich dunkel erinnern


Kaum verändert der Bahnhof.
Ich gehe über die Straße des Sieges,
die frühere Wilhelmstraße,
zum Hotel Diament, das früher
Schlesischer Hof hieß, ein Fremder
in der alten Heimat, bittet um Quartier.
Man spricht Polnisch.


Wechselvolle Geschichte, so sagt man,
Bernsteinstraße, Hussiten-Kriege, Bierbrauerei,
ausgeplündert, niedergebrannt, zerstört
und immer wieder aufgebaut,
böhmisch, österreichisch, preußisch,
Kohlegruben und Hüttenwerke, Kanonen…
Dann dieses schreckliche Erwachen.


Auf dem Weg zum Marktplatz
die Brücke über den kleinen Fluss.
An diesem Geländer stand ich in einem anderen Sommer
an der Hand meiner Mutter,
das Wasser floss rasch, dunkel wie heute,
die Straßenbahnen quietschten
und Frauen fuhren ihre Babys spazieren.


Dort das „Haus Oberschlesien“, einst nobles Hotel,
erkenne den Brunnen: drei bocksfüßige Faune,
und an der Wand eine Inschrift zum Gedenken
an den 27. Januar 1945,
als die Stadt heimkam – so heißt es –
ins Mutterland Polen.
Das wurde mir anders berichtet;
erinnere mich an Feuer und Rauch
und die Schreie der Geschundenen.


Die Straße steigt leicht an,
gesäumt von den schönen alten Fassaden,
Straßenbahnen quietschen
und Frauen fahren ihre Babys spazieren.
Links das Postamt in ostelbischer Backsteingotik
und schließlich der Markt, wir sagten Ring,
mit dem Rathaus in der Mitte,
wie immer der Neptun auf dem Delphin,
im Karree die schattigen Arkaden,
die Restaurants und Cafés.


An der Ecke ein Drei-Kirchen-Blick.
Vor langer Zeit stand hier ein Kind,
kann mich dunkel erinnern,
auch an den Gasthof „Zum Schwanen“,
wo wir Kutteln aßen,
an Palmenhaus und Stadtwald,
an den Sender Gleiwitz, wo einmal geschossen wurde,
an Schwimmbad und den wachenden Löwen.


Damals, in einem anderen Leben, und jetzt.